Zur Jahreslosung 2026

Nachricht Osnabrück, 01. Januar 2026

The wind of change: Siehe, ich mache alles neu!

Ich höre die Jahreslosung als Verheißung, zusammen mit den Versen, die kurz davor in der Offenbarung des Johannes stehen:

„Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

Das ist mir Trost bei Trauerfällen und Ermutigung in schweren Zeiten: Meine Tränen, mein Schmerz werden von Gott wahrgenommen. Wie eine Mutter wischt er mir die Tränen ab. Er klebt mir ein Pflaster auf die Wunden meiner Seele und kocht mir einen Grießbrei. Aber auch: Er sieht das Elend der israelischen Geiseln und ihrer Angehörigen, er sieht die hungernden Kinder in Gaza und die Zerstörungen in der Ukraine. Er sieht die Ohnmacht der einen und die Machtgier der anderen – das alles wird er ändern und auf den Kopf stellen. Die Letzten werden die Ersten sein! Alles wird neu. Kein Hunger mehr in der Welt, keine Ungerechtigkeiten, kein Krieg. So habe ich es immer gehört. „Siehe, ich mache alles neu!“ Dieser Vers kann auch Angst machen – wenn man ihn ernst nimmt. Wer will wirklich radikale Veränderungen? Oft sind die Beharrungskräfte stärker als die Lust auf Veränderung.

Veränderungen und Erneuerungen verunsichern und machen Arbeit, bedeuten auch Machtverlust und finanzielle Einbußen. „Siehe, ich mache alles neu“ – ist nicht harmlos, nicht nur Trost, sondern kann auch wie eine Drohung klingen. Nehmen Sie die Jahreslosung mit in das neue Jahr 2026 als Verunsicherung – das ist nicht das Schlechteste. Stellen Sie sich darauf ein, dass es nicht so bleibt, wie es ist. Halten Sie Ausschau nach dem Wirken Gottes. Wo wird etwas neu, wo wächst Frieden, wo gedeiht Gerechtigkeit? Wer kämpft gegen Armut und Wohnungsnot? Wie können Sie dabei helfen, gute Veränderungen auf den Weg zu bringen? Stemmen Sie sich nicht gegen den Wind der Veränderung, auch wenn es zugig ist. Es könnte das Brausen des Heiligen Geistes sein: „The wind of change blows straight into the face of time“, sangen die Scorpions 1989, „like a storm wind …“. Der Wind der Veränderung bläst geradewegs ins Gesicht der Zeit wie ein Sturm …“

 

Doris Schmidtke, Pastorin i.R., Osnabrück, Ende Dezember 2025

Bild: © Angelika Litzkendorf